Uragan (russisch Ураган für Hurrikan) war ein sowjetisches Konzept für eine zivile und militärische Raumfähre[1], das in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren als Alternative, oder Ergänzung, zum Buran-Programm vorgeschlagen wurde. Während die Buran auf dem aerodynamischen Design des Space Shuttle basierte, sollte Uragan die Erkenntnisse aus der BOR-Serie ein Auftriebskörper mit verstellbaren Flügeln, nutzen.

Entwicklungsgeschichte

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Zu Beginn der Entwicklung einer sowjetischen Raumfähre untersuchten Ingenieure verschiedene Rumpfformen und Wiedereintrittskonfigurationen. Dabei kamen maßstäbliche Testflugkörper zum Einsatz:

  • BOR-5: Ein Modell im Maßstab 1:8, dessen Rumpfform direkt zur endgültigen Konfiguration der Buran führte.
  • BOR-4 und BOR-6: Diese Testflugkörper besetzten eine andere aerodynamische Nische. Sie basierten auf dem Konzept des „Lifting Body“ (Hubkörper) mit einem flachen Boden und steil angewinkelten Tragflächen.

Auf Basis der erfolgreichen Tests von BOR-4 und BOR-6 wurde das Projekt Uragan initiiert. Ziel war es, zum einen kleineres, agileres System zu schaffen, das schneller einsatzbereit und kostengünstiger als die massive Buran-Fähre sein sollte. Später war es das Ziel, ein dem Buran-Shuttle-Programm in der Größe ebenbürtigeres Shuttle schaffen. Uragan hätte jedoch durch die Rumpfform und die nach oben klappbaren Flügeln einen thermisch weniger anspruchsvollen Wiedereintritt in die Atmosphäre ermöglicht.

Die Uragan hat ein Profil mit flacher Unterseite und stark angewinkelten Seitenwänden. Dieses Design ist bei extrem hohen Geschwindigkeiten (Hyperschall) sehr stabil und thermisch weniger belastet, da es weniger scharfe Kanten aufweist. Die Buran hingegen war auf maximale Manövrierfähigkeit in der unteren Atmosphäre ausgelegt, um punktgenau auf einer Landebahn aufzusetzen. Dies erkaufte man sich jedoch mit einer komplexeren und empfindlicheren Aerodynamik beim Wiedereintritt.

Technischer Vergleich: Uragan vs. Buran

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Merkmal Uragan Buran (Projekt 11F35)
Aerodynamisches Konzept Lifting Body (Hubkörper). Der Rumpf selbst erzeugt den Auftrieb. Delta-Flügler. Der Auftrieb wird primär durch die großen Tragflächen generiert.
Flügelgeometrie Hochgeklappte „Winglets“ (Stabilität) statt klassischer Flügel. Große Delta-Tragflächen mit Landeklappen und Querrudern.
Hitzeschutz-System Karbon-Karbon Kacheln. Fokus auf Karbon-Karbon und Verbundwerkstoffe an der Nase. Quarz-Keramikkacheln. Über 38.000 individuelle Kacheln schützen die Aluminiumstruktur.
Steuerung beim Wiedereintritt Kombiniert: RCS-Düsen im All, die aerodynamische Form des Rumpfes. Kombiniert: RCS-Düsen im All, aerodynamische Ruder in der Atmosphäre.

Ablehnung des Projekts

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Trotz der technologischen Vorteile des BOR-basierten Designs entschieden sich die sowjetischen Entscheidungsträger letztlich für das Buran-Programm. Ausschlaggebend war der Wunsch der Militärführung, ein direktes Gegenstück zum US-Space-Shuttle zu besitzen, um dessen potenzielle militärische Fähigkeiten (wie das Entführen von Satelliten) eins zu eins kontern zu können. Das Uragan-Projekt wurde daraufhin offiziell eingestellt.

Die Rolle der CIA und die „Hypothetische Uragan“

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Ein kurioses Kapitel der Raumfahrtgeschichte ist die Fehlinterpretation durch westliche Geheimdienste. Während die Entscheidung gegen Uragan und für Buran in der UdSSR bereits gefallen war, erhielt die Central Intelligence Agency Informationen über das Uragan-Projekt.

Da die Details des Buran-Programms streng geheim waren, gingen US-Analysten davon aus, dass Uragan das primäre sowjetische Shuttle-System sein würde. Die CIA fertigte daraufhin detaillierte hypothetische Illustrationen an, die eine vergrößerte Version der BOR-4-Fähre auf einer Energija-Trägerrakete zeigten. Diese Darstellungen prägten jahrelang das Bild des sowjetischen Raumfahrtprogramms im Westen, bis die tatsächliche Buran 1988 ihren Erstflug absolvierte.

Technische Merkmale (geplant)

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Im Vergleich zur Buran zeichnete sich das Uragan-Konzept durch folgende Merkmale aus:

  • Bauweise: Lifting Body (ähnlich dem US-Projekt Dyna-Soar oder dem späteren Dream Chaser).
  • Hitzeschutz: Verstärkte Nutzung von Karbon-Verbundstoffen, basierend auf den Erfahrungen der BOR-4-Flüge.

Quellen

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  • CIA Freedom of Information Act (FOIA) Electronic Reading Room: The Soviet Space Shuttle Program.
  • NPO Molniya Archiv: Konstruktionshistorie der BOR-Flugkörper 1-6.

Literatur

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  • Hendrickx, Bart; Vis, Bert: Energiya-Buran: The Soviet Space Shuttle. Springer-Praxis, 2007.
  • Lukashevich, Vadim; Afanasyev, Igor: Space Shuttle Buran - The Star of the Cold War. Eksmo, 2011.
  • Hall, Rex; Shayler, David J.: The Rocket Men: Vostok & Voskhod, The First Soviet Manned Spaceflights. Springer, 2001.
  • Encyclopedia Astronautica: Artikel zu Uragan, BOR-4 und Buran.
  • Burans.ru / Buran.ru: (Offizielle Webseite von Dr. Vadim Lukashevich).
  • German Aerospace Center (DLR): Berichte über die Bergung von BOR-4 im Indischen Ozean
  • Air & Space Magazine (Smithsonian): The Soviet Space Shuttle that Never Was.

Einzelnachweise

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  1. https://webarchiv.bundestag.de/archive/2005/0802/parlament/gremien15/a17/ber_tech/1501371.pdf Bericht (Drucksache 15/1371) – Deutscher Bundestag

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Letzteiszeitliches Maximum

23.000 v. Chr. Die δ2H-Werte, gewonnen aus Eisbohrkernen der Antarktis (Vostok), durchlaufen ab zirka 24.000 v. Chr. ihren Trog von durchschnittlich −486

Opportunity

gefahren. Ein erstes Zwischenziel wurde am Sol 399 (8. März 2005) am Krater Vostok erreicht. Der Krater war jedoch vollständig mit Sand aufgefüllt und daher